Wir sind wieder EMIL Qualifiziert!

06.07.2021

Auch in diesem Kindergartenjahr haben Kolleginnen vom Kindergarten Pfarracker an der EMIL Qualifizierung erfolgreich teilgenommen. In den EMIL-Fortbildungen haben wir (die Erzieherinnen vom Pfarracker) gelernt, auf verschiedenen Ebenen des pädagogischen Alltags Gelegenheiten für selbstgesteuertes Tun und soziales Lernen zu schaffen.

 

Warum erscheint uns dies wichtig und notwendig:

wir haben beobachtet das unsere Kindergartenkinder häufig Schwierigkeiten haben, sich zurückzuhalten; dass sie sich leicht ablenken lassen und sich schwer tun, ihr Verhalten und ihre Gefühle zu regulieren. Auf der Suche nach Lösungen sind wir auf das EMIL-Konzept gestoßen und haben uns entschlossen, uns darin weiter zu qualifizieren.

Deshalb möchten wir Ihnen das EMIL -Konzept vorstellen:

Es geht bei diesem Konzept darum, die exekutiven Funktionen (man spricht in diesem Zusammenhang auch von Selbstregulation) zu stärken. Gemeint sind die geistigen Fähigkeiten, die es uns ermöglichen, unser Denken und Verhalten bewusst zu steuern, sowie kontrolliert mit den eigenen Gefühlen umzugehen.

Wenn Kinder beispielsweise dazu aufgefordert werden zu warten, sich zu beruhigen oder aufmerksam zuzuhören, werden Verhaltensweisen verlangt, die auf den exekutiven Funktionen aufbauen.

Was sind exekutive Funktionen?

Die Steuerung des bewussten Handelns durch exekutive Funktionen beruht auf dem Zusammenspiel einzelner Teilaspekte. Um sich selbst erfolgreich steuern zu können, muss man automatische Reaktionen hemmen (Inhibition), Informationen im Arbeitsgedächtnis verarbeiten und geistig flexibel sein. Diese drei Funktionen steuern als eine Einheit das bewusste Handeln, d.h. das „Sich-im-Griff-haben“ oder auch die „Willenskraft“.

Damit haben sie großen Einfluss auf die Gestaltung des sozialen Miteinanders. Wer sich selbst „im Griff hat“, kommt in sozialen Situationen leichter zurecht und hat Vorteile beim Lernen.

Dies belegen aktuelle Studien:

· Kindergartenkinder mit besserer Inhibition zeigen höhere soziale Kompetenzen

  • Gut ausgebildete exekutive Funktionen verringern das Risiko zu delinquenten und antisozialen Verhaltensweisen
  • 4-jährige Kinder mit besseren exekutiven Funktionen erreichen als Erwachsene höhere Bildungsabschlüsse und können Stress besser bewältigen
  • Zum Zeitpunkt des Schuleintritts sagen exekutive Funktionen und die Selbstregulation mindestens genauso viel über die Schuleignung aus wie Vorläuferfertigkeiten in Mathematik und Deutsch
  • Exekutive Funktionen haben großen Einfluss auf die Lernleistung. Besonders in Mathematik und Sprache zeigen sich starke Zusammenhänge mit den exekutiven Funktionen

Exekutive Funktionen und selbstgesteuertes Tun können vielfältig gefördert werden. Denn in einem System wie dem Kindergarten greifen viele Aspekte ineinander, die Einfluss auf das Verhalten und die Entwicklung der Kinder haben.

 

 

EMIL bezieht alle Ebenen der pädagogischen Arbeit ein:

· die Haltung der Erzieherin und ihre Interaktion mit den Kindern

· die strukturellen Bedingungen und die Gestaltung des Umfeld

· die pädagogischen Angebote

 

Wie setzen wir EMIL um:

Haltung – Dialog – Interaktion

Kinder brauchen Erwachsene, die sie ernst nehmen in ihren Gefühlen, feinfühlig auf sie eingehen, Orientierung geben und ihnen vorleben, wie es gelingt, die eigenen Gefühle wahr zu nehmen und zu regulieren. z.B. Wir spiegeln Gefühle wieder, so dass die Kinder zunehmend besser, sich selbst beruhigen und achtsam mit sich und anderen umgehen. Sie trauen Kindern zu, eigenständig Lösungen für Probleme zu finden. Fragen werden wichtiger als Antworten, Selbsttätigkeit und kreatives Denken sind gefordert.

Strukturen

Ein weiteres Anliegen des EMIL-Konzepts ist es, eine Lernumgebung zu schaffen, in der Kinder gute Voraussetzungen für selbstgesteuertes Tun und ein entspanntes soziales Miteinander vorfinden. Hier spielen die räumliche Gestaltung und die Darbietung von Material, die zeitlichen Abläufe und Übergänge zwischen Angeboten, die Gruppenzusammensetzung und Altersstruktur sowie die vereinbarten Regeln und Rituale eine bedeutende Rolle.

Pädagogische Angebote

Durch pädagogische Angebote können die exekutiven Funktionen gefordert und damit gefördert werden.

Wichtig ist hierbei, Spiel- und Handlungsanlässe zu schaffen, die Kinder zum planvollen zielgerichteten Handeln, zum Aushandeln von Interessen und Zielen sowie zur eigenständigen Suche nach Lösungen anregen. Dies kann sowohl durch strukturierte Angebote als auch während der Freispielzeit geschehen. Entscheidend ist in jedem Fall das "Wie", also das methodische Vorgehen und die Art, wie Kinder in die Gestaltung eingebunden werden.

Kleine Helferlein

Auf allen drei der beschriebenen Handlungsebenen können „Kleine Helferlein“ eingesetzt werden, wenn Situationen zu bewältigen sind, die sonst noch nicht eigenständig bewältigt werden können. Unter "Kleinen Helferlein" verstehen wir bildliche Symbole, wie z. B. zur Kennzeichnung von Funktionsbereichen und Materialien, kleine Hilfsmittel wie Sanduhren zur selbständigen Zeitkontrolle oder auch die Ermutigung zum sprachlichen Begleiten von Handlungen. Immer geht es darum, dem Kind oder den Kindern durch eine kleine äußere Hilfe Selbstständigkeit und das Gefühl von Selbstwirksamkeit zu ermöglichen. Sobald die Kinder die Situation zunehmend allein meistern können, kommt das "Kleine Helferlein" seltener und irgendwann gar nicht mehr zum Einsatz.

 

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